Sie kommt in der Regel zum Einsatz bei: - neuropsychologischen Störungen - motorisch - funktionellen Störungen - sensomotorisch - perzeptiven Störungen oder - psychosozialen Störungen
Die Ergotherapie kann bei beeinträchtigten Menschen jeden Alters angewendet werden, egal, ob das Defizit angeboren ist (wie z.B. Entwicklungsverzögerung beim Kind; ADHS) oder im Laufe des Lebens erworben wurde (beispielsweise durch einen Schlaganfall, Rheuma etc.).
Das grundsätzliche Ziel der Therapie ist stets, dem Menschen zu einer besseren Bewältigung seines Alltags und einer größtmöglichen Selbständigkeit zu verhelfen, sei es im Kindergarten, in der Schule, im Beruf, im Haushalt oder in der Freizeit. Dabei geht der Ergotherapeut nicht nur von den oberflächlichen Krankheitszeichen oder Beeinträchtigungen aus, sondern er forscht nach deren Ursachen (sofern bekannt) und behandelt diese. Voraussetzung ist eine ausführliche Anamnese vor Beginn der Behandlungseinheit.
Durch unterschiedlichste, moderne Methoden (beispielsweise die sensorische Integrationstherapie nach Jean Ayres, die Behandlung nach dem Bobath-Konzept oder die kognitiv - therapeutische Übungsbehandlung nach Prof. Perfetti) hilft der Ergotherapeut dem Patienten, bestimmte manuelle und kognitive Fähigkeiten zu erlangen bzw. wiederzuerlangen und körperliche Einschränkungen zu kompensieren. Zum Einsatz kommen, je nach gewählter Methode und Struktur des Defizits des jeweiligen Patienten, ausgewählte handwerkliche und manuelle Techniken, Übungen aus dem lebenspraktischen Bereich, das Training von Fertigkeiten - aber auch kreativ - gestalterische Mittel, Kommunikationstechniken oder Musik.
Die Aufgabenfelder der Ergotherapie sind vielfältigst:
- in der Pädiatrie geht es v.a. mit Spieltherapie und verhaltenstherapeutischem Ansatz darum, den Kleinsten zu helfen. Häufig suchen Eltern, deren Kinder an ADHS leiden oder Entwicklungsverzögerungen aufweisen, einen Ergotherapeuten auf.
- In der Rehabilitation sollen praktische Übungen den Patienten dabei unterstützen, Fähigkeiten für den Alltag wieder zu erlangen, der Umgang mit Hilfsmitteln wird trainiert, durch Umtrainieren der Gebrauchshand usw. soll ein Optimum an Rehabilitation erlangt werden.
- In der Neurologie werden die Folgen von Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie z.B. nach Schlaganfällen, Schädel - Hirn - Traumata, MS, Parkinson, Querschnittslähmung usw. entstehen, behandelt.
- In der Orthopädie, Traumatologie und Rheumatologie wird durch zahlreiche Übungen die Bewegungsfähigkeit verlängert oder wiederhergestellt.
- In der Geriatrie geht es darum, geistige, soziale und körperliche Fähigkeiten zu erhalten und zu kräftigen. Damit wird die weitgehende Unabhängigkeit und Selbständigkeit im Alltag der Senioren bewahrt und die soziale Integration gefördert; Konzentrations- und Orientierungsübungen dienen der Sicherheit und Lebensfreude.
- Zur Verbesserung von Sozialverhalten wird in Arbeitstherapien, in Psychiatrien und der Forensik bei sozial auffälligen Menschen in Gruppenarbeit die Ergotherapie angewandt.
- In der Psychiatrie und der Suchttherapie bieten die Methoden eine Möglichkeit, eigene Grenzen kennenzulernen, sich selbst realistisch einzuschätzen. Verlernte Fähigkeiten werden wiedererlernt, kreatives Potenzial entdeckt und gefördert, Selbstvertrauen wird gestärkt und Depressionen gemildert.
Die psychischen Grundleistungsfunktionen des Menschen, Antrieb, Motivation, Ausdauer, Belastbarkeit und Strukturierfähigkeit werden gefördert, die Sinneswahrnehmungen geschärft. In der Gruppe werden situationsgerechtes Verhalten, Interaktionsmöglichkeiten und soziale Kompetenzen erprobt und geübt.
Die Therapie erfolgt, je nach individuellen Bedürfnissen des Patienten, als Einzeltherapie, in Kleingruppen oder als Gruppentherapie; sie wird größtenteils ambulant durchgeführt, ist aber auch stationär oder teilstationär möglich.
Zur Durchführung einer Ergotherapie berechtigt sind nur examinierte Ergotherapeuten. Diese Ausbildung erfolgt in einer staatlich anerkannten Berufsfachschule für Ergotherapie, dauert 6 Semester und wird mit dem Examen abgeschlossen.
Als medizinisches Heilmittel wird die Ergotherapie von den Krankenkassen (bei Erwachsenen abzüglich des Eigenanteils wie für jedes Heilmittel) nach einer ärztlichen Verordnung überlicherweise übernommen.
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